Dornumer
Bockwindmühle

Quelle: Ostfriesisches Mühlenbuch

Die Bockwindmühlen werden auch Ständerwindmühlen genannt und wegen des kastenförmigen Gehäuses im Volksmund auch Duuvkast.

Bockwindmühlen sind die ältesten Windmühlen in Deutschland und oft Vorgänger der Holländer Windmühle. Bockwindmühlen sind bautechnisch anfällig, sie wurden oft vom Sturm umgeblasen, sind durch Blitzschlag abgebrannt oder wurden in Kriegen zerstört. Die Dornumer Bockwindmühle wurde 1626 während des 30Jährigen Krieges (1618 bis 1648) gebaut. Das ehemalige Müllerhaus wurde 1970 abgerissen.

Bei der Dornumer Bockwindmühle sind die Ständerbalken am Grund der Mühle mit einem Holzhaus umbaut. In der Regel liegen die Ständerbalken unterhalb des drehbaren Gebäudes frei (offener Bock).

Die Dornumer Bockwindmühle wurde 2009 unter Verwendung alter funktionsfähiger Mühlenteile neu aufgebaut. Sie wird vom Mühlenverein Dornum betreut.

Das kastenförmige Gebäude ruht drehbar auf einem Bock, der aus einem senkrechten Hausbaum, dem Grundkreuz auf Steinsockeln und den acht Streben (Finken) besteht. Die Streben sind durch einen Verband (Sattel) mit dem Hausbaum verbunden. Der Hausbaum besitzt am oberen Ende einen Zapfen, der als Drehpunkt für den schweren Hammerbalken dient und das Gewicht des Gehäuses trägt.



Der Ständerbalken oder Hausbaum darf nicht auf den Kreuzschwellen aufliegen! Die Standfestigkeit resultiert aus den verzapften Standfinken am Sattel. Die Mühle ist im Wesentlichen aus Eichenhölzern gefertigt, lediglich das Außenholz, wie die Flügel, ist z. B. aus Lärche.

Am oberen Ende des Hausbaums ist ein Zapfen, auf dem der Hammerbalken (Mehlbalken) gelagert ist. Der Hammerbalken trägt das gesamte Mühlengebäude.

Die Mühle hat einen aus dem Gehäuse herausragenden, bis auf den Boden reichenden Steert, an dessen Ende sich eine Handwinde (Kröjrad) befindet, um die Mühle in den Wind zu drehen.



Der Mahlgang / das gehende Werk besteht aus dem Fügelkreuz, der Flügelachse, dem Kammrad (Asrad), dem Korbrad (Schiefloop), das auf dem eisernen Oberspill sitzt und den Läuferstein antreibt.



Bei der Bockwindmühle gibt es im Gegensatz zur Holländerwindmühle keinen König. Flügel, Flügelwelle oder Flügelachse und Kammrad bilden eine bauliche Einheit. Das Kammrad greift in den Schiefloop (Korbrad) mit dem Oberspill, der den Läuferstein direkt antreibt.



Das Kammrad oder Asrad treibt auch eine Sackwinde an, mit der die Kornsäcke auf den Steinboden (Steinsöller) außen am Gebäude (Balkon und Kuckuck) gehievt werden.



Besonderheit: Da Bockwindmühlen im Gegensatz zu Holländerwindmühlen keinen König haben, laufen die Läufersteine anders herum, als bei Mühlen mit einem König. Die Mahlsteine lassen sich daher nicht ohne weiteres gegen Mahlsteine aus Holländerwindmühlen tauschen.



Verfasser: Erich Böhm Quelle: Ostfriesisches Mühlenbuch


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